Eine undifferenzierte Befreiungsrhetorik ist im Hinblick auf den 8. Mai 1945 abzulehnen. Sie wird dem Leid der Deutschen nicht gerecht. Im Gegenteil: Die mittlerweile dominierende Deutung vom 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung“ muss überwunden werden. Sie zementiert eine Erinnerungskultur, die stets die Schuld betont und keine Vergebung zulässt.
Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands gingen der Verlust beträchtlicher Teile des Staatsgebiets, Vertreibung, Zwangsverschleppung und Vergewaltigungen einher.
Allein 1,6 Millionen deutsche Kriegsgefangene starben in sowjetischer Gefangenschaft. Wolgadeutsche wurden nach Sibirien verschleppt, ihr Eigentum beschlagnahmt. Bis zu zwei Millionen Frauen und Mädchen wurden allein während des Vormarsches der Roten Armee nach Berlin geschändet. Viele verstarben an den Folgen der sexuellen Gewalt. Dem Bombenkrieg der Alliierten fielen im Reichsgebiet mindestens 600.000 Zivilisten zum Opfer. Etwa eineinhalb Millionen Kriegsversehrte lebten nach Kriegsende in der Bundesrepublik.
Als Volk haben wir das Recht und auch die Pflicht, auch unserer Opfer zu gedenken. Nur so wird Aussöhnung gelingen. Denn auch Deutsche waren Opfer. Wir dürfen um sie weinen.







