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Sinistre Kräfte versus Gottvertrauen in Deutschlands Nationaloper – Carl Maria von Weber: Der Freischütz (1821)

Matthias Helferich, Mitglied des Bundestags

16.04.2026

Die Frage danach, was deutsch sei, ist selbst das Deutscheste, das es gibt – das hat sinngemäß irgendwann mal irgendjemand gesagt. Die im Diskurs zu dieser Frage angeführten Aspekte sind denkbar vielfältig, aber worauf man sich gemeinhin einigen kann, ist u. a. die Liebe der Deutschen zum Wald. Ebendarum ist dieser gleichermaßen Handlungsort, metaphysischer Bezugspunkt und musikalisches Motiv im Freischütz von Carl Maria von Weber, der im 19. Jahrhundert zur Nationaloper stilisiert wurde.

Schon in der Ouvertüre zeichnet ein Hornchoral in C-Dur mit musikalischen Mitteln ein verklärtes Waldbild. Doch mit den schwelgerischen Aspekten der Romantik ist es nicht weit her, denn in der Geschichte über den von Angst getriebenen Jägerburschen Max, der für seine Hochzeit mit der schönen Erbförstertochter Agathe ein Probeschiessen bestehen muss, haben die Mächte des Bösen ihre Finger im Spiel. Max lässt sich aus Verzweiflung auf die sinistren Kräfte ein, die in der Wolfsschlucht-Szene von Weber mit bisher ungekannt effektvollen kompositorischen Mitteln beschworen werden. Nur der feste, unschuldige Glaube seiner Braut Agathe wendet am Ende doch noch alles zum Guten – „Nur Mut, wer Gott vertraut, baut gut.“, weiß der Erbförster höchstselbst schon in Akt I beizutragen.