Mit dem Einrücken der Roten Armee in das deutsche Reichsgebiet ab 1944/45 begann ein systematischer Plünderungszug der Sowjets. Nicht nur Industrieanlagen, Verkehrsinfrastruktur und Rohstoffe, sondern auch etliche Kulturschätze wurden in die UdSSR befördert. All dies geschah als staatlich befohlener Raubzug, den die sowjetische Obrigkeit koordinierte.
Weit unbekannter ist hingegen der Raub deutscher Kulturgüter durch US-amerikanische GIs. Anders als in der sowjetischen Besatzungszone geschah der Diebstahl dabei nicht aus staatlichem, sondern aus privatem Antrieb. Erfolgten die Zugriffe der Roten Armee gezielt und politisch gesteuert durch eigens hierfür gegründete Trophäenbrigaden, stand bei den einfachen US-Soldaten und ihren Offizieren die persönliche Bereicherung im Vordergrund.
Die meisten dieser Taten wurden im Verborgenen begangen und blieben deshalb lange unaufgeklärt. Exemplarisch dafür steht etwa der Raubfund des im Jahr 1990 in den USA wiederentdeckten Teils des Quedlinburger Domschatzes, den ein einziger US-Soldat gestohlen hatte. Erst nach einem langen Rechtsstreit und der Zahlung von drei Millionen US-Dollar konnten einige geraubte Stücke des Domschatzes wieder nach Deutschland verbracht werden. Andere Stücke des Domschatzes und viele weitere Raubgüter bleiben jedoch verschollen.
Um mehr über den Raub deutscher Kulturgüter durch US-amerikanische Soldaten zu erfahren, empfehle ich Ihnen die Lektüre von „Steal and Deal“, verfasst von Richard Hüttel. Anhand von mehreren Beispielen stellt Hüttel den Kunstraub detailliert dar und verdeutlicht den Verlust kultureller Substanz, den unser Land dadurch erleiden musste.
Quellenangaben:
Text: Hüttel, Richard: Steal and Deal – Der große amerikanische Kunstraub 1945 (2026) Manuscriptum Verlagsbuchhandlung (Bad Schmiedeberg).
Bild: Elmar Egner, Heinrichskamm Domschatz Quedlinburg (2022), Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/, bearbeitet (Zuschnitt, Zoom und Texteinblendung).







