Im Frühjahr 1945 rückten US-amerikanische Truppen in die Städte und Dörfer des Harz ein. Einer von ihnen war First Lieutenant Joe Meador aus Texas. Meador beging einen der größten und lukrativsten Raube, den ein einzelner amerikanischer Täter während der Besetzung Deutschlands zu verantworten hatte.
Er entwendete zwölf ausgewählte Stücke des Quedlinburger Domschatzes aus einer Höhle, darunter kleine Reliquienschreine, Kruzifixe, wertvolle Gefäße und ein karolingisches Samuhel-Evangeliar mit einem kostbaren Vorderdeckel aus dem 13. Jahrhundert.
Zurück in der texanischen Heimat soll er immer wieder mit seinem „befreiten“ Raubgut geprahlt haben. Nach seinem Tod 1980 suchten seine Erben nach einer Möglichkeit, den Domschatz gewinnbringend zu verkaufen, was ihnen vorerst nicht gelang. 1992 erreichte der Münchener Historiker Willi Korte schließlich die Rückkehr von zehn der zwölf gestohlenen Stücke, wofür im Rahmen eines Vergleiches jedoch drei Millionen US-Dollar gezahlt werden mussten.
Die Erben gelangten Jahrzehnte nach dem Diebstahl durch Joe Meador also doch noch zu zweifelhaftem Reichtum. Wie Richard Hüttel anmerkte, wurde Meadows Kunstraub so zu einem nachahmungswürdigen Beispiel für weitere Kunstdiebe und deren Nachfahren. Der Fall zeigt darüber hinaus, dass eine Restitution der gestohlenen Kunstgüter selten ohne die Zahlung einer beträchtlichen Geldsumme zu realisieren ist.
Quellenangaben:
Text:
Hüttel, R. (2026). Steal and Deal. Bad Schmiedeberg: Manuscriptum Verlagsbuchhandlung.
Bild: Elmar Egner, Heinrichsschrein, Quedlinburg (2018), Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/, bearbeitet (Zuschnitt, Hintergrundentfernung, Kontrastanpassung und Texteinblendung).







