Zwar spielt Erich Wolfgang Korngolds Opus magnum, die Oper Die tote Stadt, nicht in Deutschland, sondern in der flämischen Nachbarschaft, aber das tat dem spektakulären Erfolg der gleichzeitigen Doppeluraufführung an den Opernhäusern von Köln und
Hamburg am 4. Dezember 1920, die den 22-jährigen Komponisten über Nacht zu Weltruhm führte, keinen Abbruch.
Auch für die Frage, welchen für Rechte interessanten Aspekt man in der in Brügge, der titelgebenden toten Stadt, spielenden Geschichte entdecken kann, ist das nebensächlich. Denn für so intensiv-innerliches Fühlen wie es – durch die Grachten und Häuserschluchten streifend – die Hauptfigur des Pauls durchlebt, steht sonst vielleicht nur das Symbolbild der Romantik schlechthin: die ewig unerreichte Blaue Blume; in Pauls Fall seine gestorbene Freundin Marie. Korngold hat diese zutiefst deutschen Gefühle, das Sehnen und Wähnen, in einem gleißenden musikalischen Strom so mitreißend auskomponiert wie niemand vor oder nach ihm.







