Faust-Vertonungen, ob in symphonischer Form oder als Oper, gibt es eine Menge. Aber die Aufgabe, das Opus summum des deutschen Literaturkanons in ein einzelnes, durcherzähltes und kohärentes Werk zu setzen, scheint bei den Resultaten der diesbezüglichen Bemühungen im gesamten Abendland häufig unbefriedigend. Robert Schumanns (Ab-) Arbeit an dem Jahrhundertdrama nahm selbst regelrecht faustische Züge an, denn er feilte an seinen Szenen aus Goethes Faust fast ein Jahrzehnt, verwarf immer wieder ganze Teile und das vollständige Werk wurde erst nach seinem Tod uraufgeführt.
Das Resultat von Schumanns Streben ist ein Großwerk, das – gattungstechnisch irgendwo zwischen weltlichem Oratorium, Chor-Symphonie und literarischer Kantate angesiedelt – mit großem Orchester, einem Dutzend Solisten, Chor und Kinderchor gigantisch dimensioniert ist. Schumann füllt nicht nur die zentralen Szenen des Stoffes mit tiefromantischem Gespür musikalisch aus, sondern er präsentiert die Titelfigur auch deutlich heroischer als sie bei Goethe wegkommt – Faust als deutscher Held.







