Obwohl es wenig später der sowjetischen Besatzungszone zugeschlagen wurde, geriet das schwer zerbombte Leipzig im April 1945 zuerst unter US-amerikanische Kontrolle. Während des Krieges wurden viele Bücher und Schriftstücke aus der Leipziger Universitätsbibliothek an andere Standorte ausgelagert. Die Universitätsbibliothek geriet schnell ins Fadenkreuz der amerikanischen Regierungskontrollgruppe Goldcup, die sich nach den Beständen erkundigte.
Einige besonders wertvolle Schriftstücke gingen verloren, darunter 254 Originalbriefe des Erasmus von Rotterdam, ein Aristoteleskodex und sogar eine Gutenberg-Bibel. Bis heute ist unklar, wer genau sich an den Artefakten bediente. Im Falle der Gutenberg-Bibel kommen sowohl Amerikaner als auch Sowjets als Diebe infrage. Zwei Exemplare wurden nach dem Krieg für Millionenbeträge in den USA versteigert. Der Leipziger Bibliothekar Thomas Thibault Döring vermutet die Gutenberg-Bibel hingegen in Moskau.
Fest steht: die Amerikaner bedienten sich auch in Leipzig an deutschen Kulturgütern, bevor die noch schlimmer wütenden Sowjets einrückten. Ganze Bibliotheken fielen den sowjetischen Plünderungen zum Opfer, darunter der Altbestand der Sächsischen Landesbibliothek von Dresden mit rund 200.000 Bänden. Auch Polen kam auf seine Kosten: die Altbestände der Berliner Staatsbibliothek befinden sich bis heute in Krakau und Warschau. Polen verweigert energisch die Rückgabe des Raubgutes.
Quellenangaben:
Text: Hüttel, R. (2026). Steal and Deal. Bad Schmiedeberg: Manuscriptum Verlagsbuchhandlung.
Bild: Roger Rössing und Renate Rössing, Blick auf die Universitätsbibliothek Albertina (1953), Deutsche Fotothek / Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/, bearbeitet (Zuschnitt, Zoom und Texteinblendung).







