Jeder, der schon einmal unglücklich verliebt war, weiß, wie sich das anfühlt, wenn das Gewollte ewig unerreicht bleibt und der innere Schmerz in einem bohrt und an einem nagt. Genau für dieses Gefühl, das akkurat zu Verbalisieren eine Herkulesaufgabe ist, hat Richard Wagner die richtigen Töne gefunden.
Beim Beginn der Ouvertüre seines Musikdramas Tristan und Isolde gleiten die Instrumentalstimmen von Cello und Holzbläsern „langsam und schmachtend“, wie es die Vortragsanweisung fordert, zu einem im Uraufführungsjahr 1865 völlig neuartigen Tonkonstrukt zusammen: Der berühmte Tristanakkord ist weder Dur noch Moll, nicht fassbar, nicht mehr zuordenbar. Trotzdem beinhaltet er eine starke Strebewirkung. Das klingt wie (harmonisch) Aufgelöst-werden-wollen, aber Nicht-aufgelöst-werden-können – ein unerträglicher Zustand; auskomponiertes Liebesleiden. Wagner verwendet diese Technik als Leitklang in der gesamten Oper und schafft es so, über die monumentalen Ausmaßes seines Werks die immer präsent bleibende Klammer unglücklicher Liebe aufrechtzuerhalten. Der Komponist trifft den Nagel auf den Kopf und erfindet gewissermaßen gleichzeitig die freie Tonalität.







