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Meine Rede zum Festkommers der Deutschen Burschenschaft
Matthias Helferich, Mitglied des Bundestags
11.06.2022

Hohes Präsidium!

Meine sehr geehrten Herren Burschenschafter!

Zunächst einmal danke ich für das erhaltene Wort! Es ist mir eine besondere Ehre auf Ihrem diesjährigen Burschentag sprechen zu dürfen. Dies im Jahr des 120. Jubiläums der Errichtung des Burschenschafterdenkmals. Es erfüllt mich mit großer Freude, dass das Denkmal nach dem linksextremen Anschlag fast vollständig wiederhergestellt werden konnte. Das macht Mut für die Zukunft.

Und was auch zerstört werden mag durch den Zeitgeist, es wird wieder neu errichtet und erstrahlt stets in seinem alten Glanz.
Der SPIEGEL-Kolumnist Jan Fleischhauer kommentierte seine Festrede auf dem Burschentag mit den Worten, dass sich frühere Redner auf dem Burschentag wie der Ehrenvorsitzende meiner Partei, Dr. Alexander Gauland, oder der Publizist Götz Kubitschek stets in „Untergangsphantasien“ geübt hätten.

Und ja: Sie alle wissen, dass es schlecht um unsere Heimat Deutschland bestellt ist. Es ist schlecht um unsere Demokratie und Freiheitsrechte bestellt. Und ja: Es ist schlecht um den Erhalt unserer Kultur und Identität bestellt. Allerorts setzen Fliehkräfte an, die unsere Nationalstaatlichkeit, Souveränität und Freiheit bedrohen.

Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung: Einer dieser Hoffnungsschimmer ist die Wiederherstellung des Burschenschafterdenkmals, ein weiterer ist Ihre heutige Zusammenkunft: Wenn hunderte junge und alte national-freiheitlich gesinnte Akademiker zum Burschentag zusammenkommen und beweisen, dass die Auflösung allen Althergebrachten und Bewährten noch nicht abgeschlossen ist, dann lässt dies meine Sorgen um unsere Heimat und unsere Nation schwinden.

Sie alle beweisen heute durch Ihr Zusammensein und Ihre Feierlichkeiten zwischen Burschenschafterdenkmal und Wartburg, dass es Widerstand gegen die von den sog. Eliten herbeigesehnte Transformation unserer Ordnung gibt. Und dieser Widerstand ist ungebrochen und nicht verzagt – sondern fröhlich und selbstbewusst.

Da ich nunmehr 15 Jahre selbst Burschenschafter war und erst im vergangenen Jahr aus meinem Bund mit dem Einzug in den Deutschen Bundestag ausgeschlossen wurde, ist mir durchaus noch bekannt, wie mühselig zu lange Kommersreden sein können und wie sehnsüchtig man auf so manchem Burschentag den Gang in Eisenachs Diskotheken und Bars herbeisehnte.

Toxische Männlichkeit ist toll, aber etwas holde Weiblichkeit schadet nun wirklich nicht. Ich werde mich daher kürzer fassen und freue mich noch auf das ein oder andere Bier mit Ihnen. Lassen Sie mich Ihnen erklären, weil manchmal braucht es dafür einen Außenstehenden, warum Ihr Wirken als Burschenschafter und akademische Verantwortungsträger von so großer Bedeutung für die Gesundung unseres Vaterlandes ist:

Angesichts der rasanten Entwicklung der letzten zwei Jahre und der gewaltigen Umbrüche, vor denen wir heute stehen, scheinen die 200 Jahre seit der Gründung der Deutschen Burschenschaft und die großen Zäsuren des 19. und 20. Jahrhunderts gar nicht mehr so lang her zu sein. Als es nach den Napoleonischen Kriegen zum „Völkerfrühling“ kam und in Mitteleuropa das nationale Erwachen begann, kamen die herrschenden Eliten zu einer Reihe von sogenannten Ministerialkonferenzen zusammen, deren bekannteste wohl die diejenige im böhmischen Karlsbad war.

Das Ergebnis der Konferenz waren Zensur- und Überwachungsmaßnahmen, Berufs- und Versammlungsverbote, die besonders das akademische nationale Lager und insbesondere die Burschenschaften treffen sollten.

Meine Herren, wenn ich von Zensur- und Überwachungsmaßnahmen, Berufs- und Versammlungsverboten spreche und sie meine einleitenden Worte nicht gehört hätten, bin ich mir sicher, dass viele unter uns glauben würden, dass ich nicht vom Europa des 19. Jahrhunderts, sondern vom Europa zu Anfang der 2020er Jahre spräche. Zensur- und Überwachungsmaßnahmen, Berufs- und Versammlungsverbote sind auch nach 200 Jahren noch immer nicht auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet, im Gegenteil:

Was in der plakativen Karikatur „Der Denker-Club“ aus dem Jahre 1819 nur satirisch angedeutet ist, ist im Jahr 2021 bittere Realität geworden. Ob in Schulen, an Universitäten, oder im Parlament: Die Maulkörbe des Formates FFP2 hinderten unser Volk nicht nur daran frei zu atmen, sondern sie erstickten auch jeden freien Diskurs, da dieser unter den Vorzeichen von Gleichschaltung und Gehorsam ad absurdum geführt worden wäre.

Auch die NGO „Reporter ohne Grenzen“ bescheinigte uns dieser Tage, dass die Republik Österreich im Jahr 2021 in puncto Pressefreiheit im weltweiten Vergleich von Platz 17 auf 31 abgestürzt ist. Die Verflechtungen zwischen Staat und Medien sind spätestens seit dem System Kurz so offensichtlich geworden. Die Bundesrepublik steht im Vergleich im Übrigen etwas besser da, mit Platz 16 immer noch weit hinter Jamaika und Costa Rica, aber vermutlich fallen die Defizite bei uns mangels Gegenöffentlichkeit einfach noch nicht so auf.

Die Realität, in der wir inzwischen angekommen sind, muss furchtbar sein. So furchtbar, dass die Eliten nicht mal mehr über Satire lachen können. Wenn sich um Servus TV und um Ferdinand Wegscheider jetzt die Zensoren der Komm Austria kümmern, dann ist das nichts anderes als die Neuauflage der Mainzer Zentraluntersuchungskommission und der Bundeszentralbehörde, die 200 Jahre zuvor den Gründervätern der Burschenschaft das Leben schwer machen wollten.

Wie wir wissen, haben sie sich an diesen die Zähne ausgebissen und auch dafür steht die patriotische Kontinuität, die wir heute Abend feiern.

Heute versucht der Staat erneut, kritischen Geistern und Patrioten das Leben schwer zu machen. Entweder ganz pauschal mit einem Berufsverbot für ungeimpfte Ärzte und Pflegekräfte oder aber gezielt gegen einzelne Intellektuelle und Wissenschaftler wie den Politikprofessor Martin Wagener, der mit seinem Buch „Kulturkampf um das Volk. Der Verfassungsschutz und die nationale Identität der Deutschen“ den Finger in die Wunde gelegt hat. Jetzt gilt er als „Sicherheitsrisiko“ und darf seine Dienststelle nicht mehr betreten.

Wenn der EU-kritische Jungeuropa-Verlag unter einem Vorwand verklagt wird, um ihm seine wirtschaftliche Existenzgrundlage zu entziehen, und Korporationsstudenten Spießrutenlaufen müssen, nur um auf einem Ball tanzen zu können, dann sind wir nicht erst am Anfang, sondern bereits mitten in einer neuen Demagogen-Verfolgung angekommen.

Dennoch bin ich weit davon entfernt pessimistisch in die Zukunft zu blicken und als Volksvertreter habe ich auch gar nicht das Recht dazu.

Der Blick in die Geschichte und die auffälligen Parallelen lehren uns, dass gerade solche Widrigkeiten notwendig sind, damit der Deutsche Michel sich überhaupt aus seiner Behäbigkeit löst, und die historische Bühne betritt. Wo also stehen wir heute?

Was früher Karlsbad war, sind heute die Ministerpräsidenten-Telefonkonferenzen und globalistische „Get Togethers“ beim World Economic Forum. Der wesentliche Unterschied zu damals besteht darin, dass die Kongresse in Karlsbad und anderswo noch unter größter Geheimhaltung stattfanden, während die politische Klasse von heute ihre Verachtung für das Volk ganz offen und ungeniert vor sich herträgt. Erinnern Sie sich noch an das Zitat des ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker?

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Für die Eliten ist das Volk folglich eine unwillkommene Gegebenheit, die man einerseits fürchten, und andererseits gnadenlos hinters Licht führen muss. Freiheit und Selbstbestimmung sind im Volksbegriff der Herrschenden nicht vorgesehen:

Das Volk darf solidarisch sein, und auch dafür frieren, wenn es dem Kampf gegen Russland dient – es gibt keinen Rechtsanspruch auf 25 Grad, verlautbarte jüngst das Bundeswirtschaftsministerium im Hinblick auf die selbstherbeigeführte Energiekrise.

Das Volk darf sich beraten lassen, aber soll sich danach gefälligst impfen gehen. – auch eine Impflicht wäre ja immer noch irgendwie freiwillig, so unser Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der ja am liebsten von Rechtsextremisten entführt werden würde, nur um ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhaschen.

Das Volk darf wählen gehen, aber nicht den Willen dazu entwickeln, die Geschicke seines Vaterlandes selbst in die Hand zu nehmen (wenn es überhaupt noch zu Wahlen kommt. In Österreich werden Kanzler und Ministerämter ja inzwischen öfter gewechselt als die Unterwäsche, ohne, dass das Volk jemals dazu befragt worden wäre. In der Bundesrepublik führen selbst massivste Wahlfehler, wie in Berlin, nicht zur Wiederholung der Bundestagswahl.ver)

– Steuern zahlen und Maulkorb tragen, das ist das Verständnis, das die Eliten von unserem Volk haben.

Wir Patrioten pflegen dagegen einen ganz anderen Volksbegriff. Für uns ist das Volk kein Untertan, sondern die historisch gewachsene Grundlage unseres Gemeinwesens.

Zuerst war das Volk und dann kam der Staat. Eine echte Volksvertretung – wie sie die Burschenschaft in Deutschland noch vor der Staatsgründung gewesen ist – sollte sich daher zuvorderst hinter das Volk stellen, da eine gemeinsame Willensbildung ohne dieses Mindestmaß an Homogenität schlicht nicht denkbar wäre.

Mit ihrem Ausspruch: „Das Volk ist jeder, der in diesem Land lebt“, hat Angela Merkel den Souverän für nichtig erklärt.

Es verwundert daher nicht, dass der Verweis auf das Volk als den Souverän des Staates einer der Hauptgründe dafür ist, dass meine Partei vom deutschen Geheimdienst überwacht wird. Kritisiert wird in der Begründung dabei ein vermeintlich ethnokultureller Volksbegriff, der in der Bundesrepublik jahrzehntelang juristisch wie gesellschaftlich vollkommen allgemeinverbindlich war. Würde man die heutigen Maßstäbe etwa auf Altkanzler Helmut Schmidt und dessen Kritik am Multikulturalismus anlegen, müsste man sich fragen, wie es ein solcher Extremist geschafft hat an die Spitze des Staates zu gelangen.

„Es gibt keine Demokratie ohne Demos“, sagte schon der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht Ernst-Wolfgang Böckenförde. Das Volk ist eben nicht nur die Staatsbürgerschaft sondern auch die gemeinsame Kultur, Geschichte und Abstammung.

Die neue Ampel-Regierung, die sich euphemistisch als Fortschrittskoalition schimpft, kündigt in ihrem Koalitionspapier massivste Angriffe auf das Staats- und Wahlvolk an: Turbo-Einbürgerungen drohen, Mehrfachstaatsbürgerschaften sind angedacht und selbst wer kein Bleiberecht als Migrant hat, darf sich dank der Bundesinnenministerin Faeser sicher sein, Deutschland niemals verlassen zu müssen.

Wem dient jedoch die Regierung eines Landes, in dem man das Wort „Volk“ nicht mehr sagen, ja nicht einmal mehr denken darf?

Nach den vergangenen zwei Jahren wissen wir, dass die Regierenden dazu bereit sind jedes Grundrecht zu brechen und jede rote Linie zu überschreiten. Allein wegen der sich abzeichnenden Energieversorgungskrise werden wir wohl nicht lange warten müssen, bis es zu neuen vermeintlich alternativlosen Zwangsmaßnahmen kommt, allein schon, um vom eigenen Versagen abzulenken.

Meine Herren, sie alle wissen, dass restriktive Maßnahmen und Überwachung ein untrüglicher Indikator für die Angst der Herrschenden sind. Aus dem Parlamentsalltag in der Bundesrepublik möchte ich dem hinzufügen, dass die Arroganz der Macht, der Umgang mit parlamentarischen Anfragen, und auch das hysterische Gezeter, das meinen und den Redebeiträgen meiner Parteikollegen im Parlament entgegengebracht wird, vielleicht sogar noch besser verdeutlichen, dass die politische Klasse sich vor nichts mehr fürchtet als vor dem Volk, an dessen Zukunft sie sich versündigt hat.

Aus diesem Grund bleibt einer modernen „Heiligen Allianz“ aus Politik, Medien und westlichen Oligarchen auch gar nichts anderes übrig, als noch enger zusammenzurücken und so schnell wie möglich Fakten zu schaffen.

Transnationale Wahllisten, digitale Identität und Überwachung sollen die Abwicklung der Nationalstaaten und die Ersetzungspolitik jetzt in Stein meißeln.

Sicher sind sich die Eliten da aber keineswegs. Gelingen kann all dies nur, solange der Deutsche Michel schläft. Es spricht Bände, dass vor den Mauern des Deutschen Reichstags auf denen „Dem Deutschen Volke“ geschrieben steht, im Moment eine Art Burggraben ausgehoben wird, der zusammen mit einer riesigen Zaunanlage eben dieses deutsche Volk von seinem eigenen Parlament fernhalten soll.

Noch nie sind seit 1989 wieder regelmäßig so viele Menschen auf die Straße gegangen und das, obwohl es, wie der UN-Sonderberichterstatter für Folter jüngst kritisierte, dabei zu massivster Polizeigewalt gekommen ist. Die Bürgerproteste der letzten Wochen und Monate haben gezeigt, dass sich im Volke bereits wieder ein eigener Wille zu bilden beginnt. So, wie der lange Vormärz des 19. Jahrhunderts unsere Nation gerade erst erwachsen ließ, sollte uns auch der Vormärz des 21. Jahrhunderts wieder Hoffnung machen.

Trotz, oder gerade wegen des permanenten Gesellschaftsexperiments sind „Ehre, Freiheit, Vaterland“ nach wie vor die Lebensrealität junger Akademiker. Es ist ein besonderer Verdienst der Burschenschaften, dass sie unser Verständnis von Volk und von Freiheit durch alle Stürme hindurch bewahrt haben und als Kaderschiede die kommende Elite unseres Staates in diesem Geiste ausbilden.

Und allem linken Gezeter zum Trotz weiß ich, dass Burschenschafter selbst dann die Meinungsfreiheit und den Diskurs verteidigen würden, wenn sie in der Mehrheit wären und es eigentlich keiner Rücksicht auf abweichende Ideale oder Weltanschauungen bedürfe.

Das haben Sie, geschätzte Herren Burschenschafter, den Linken und ihrem Zensur- und Behördenfetischismus voraus.

Das deutsche Volk ist weder ein Konstrukt noch eine vorübergehende Erscheinung. Als eine sich in Jahrhunderten gebildete Kulturnation, lassen wir Deutsche uns nicht einfach canceln, resetteln oder transformieren. Mit Recht und dem gebotenen Zorn sollten wir darauf verweisen, dass wir diejenigen sind, die schon länger hier leben.

Und wir als national-gesinnte Akademiker sollten mutig den Worten des Autors Uwe Tellkamps folgen, der in einem Interview dazu aufrief, endlich in aller Offenheit zu diskutieren und folglich auch zu entscheiden, was unser Volk ausmacht.

Tellkamp erklärte:

„Was ist denn ein Volk überhaupt? Es ist eine gemeinsame, prägende Kultur. Und wenn diese sich nicht mehr langsam und organisch, sondern plötzlich und disruptiv verändert, dann ist das traumatisch! Zum Beispiel wenn sich – noch nicht in Dresden, aber in westdeutschen Städten – Menschen in ihren eigenen Städten nicht mehr zuhause, sondern fremd vorkommen, dann muß man das ernst nehmen. Das heißt, wir müssen damit anfangen, darüber, natürlich in aller Gesittetheit, aber endlich offen zu diskutieren.“

Stoßen wir endlich gemeinsam diese Debatte an – akademisch und freisinnig!

Das Fortbestehen der Deutschen Burschenschaft zeugt davon, dass wir Patrioten unsere Wurzeln nicht vergessen haben. Es zeugt davon, dass das national-freiheitliche Lager allen Stürmen getrotzt und sich niemals dem Zeitgeist unterworfen hat. Die Kontinuität unseres Kampfes und das unerschütterliche Eintreten für das Recht und die Freiheit unseres Volkes sind es, die alle Patrioten heute Abend gemeinsam mit Ihnen feiern und im Alltag stets aufs Neue mit Leben füllen sollten.

Und da schon einige junge Aktive – berechtigterweise – auf ihre Uhren und Smartphones schauen, schließe ich mit den Worten meines ehemaligen Frankenbruders, dem Reichstagsabgeordneten und Historiker, Heinrich von Treitschke:

„Kein Volk hat Gott verlassen, was sich nicht selbst verließ.“

Auf das Wohl der Deutschen Burschenschaft! Auf Deutschland!